Was ist der Unterschied zwischen einem Akzent und einem schlechten Akzent?

iner von vielen Gründen, weshalb ich diesen Beitrag immer wieder aufgeschoben habe, betraf die grafische Auflockerung durch Bilder. Was für Bilder soll ich wählen, wenn es beim Inhalt um gesprochene Akzente geht? Die rettende Idee war, einen fließenden Übergang vom letzten Beitrag zu versuchen. In Beitrag 10 ging es um Beispiele, wie menschengemachte Buchstaben gestaltet werden können. Hier siehst du, wie es die Natur gelegentlich macht, und wie unsere Gehirne so verdrahtet sind, dass wir es gar nicht vermeiden können, auch in zufälligen Naturbildern Buchstaben zu sehen. Und ja, einige sind etwas weit hergeholt und bei einigen habe ich ein bisschen gemogelt. Ich hoffe aber, dass du dahinterkommst, welcher Absatz-anfangsbuchstabe jeweils gemeint ist.

etztens habe ich mit meinem Bruder über Akzente gesprochen. Wir waren uns einig, dass ein Akzent einfach nur ein Akzent ist – eigentlich kann er weder „gut“ noch „schlecht“ sein; er ist einfach nur das, was sich im Laufe der Zeit in einer bestimmten Region sprachlich entwickelt hat. Nichtsdestotrotz hat mein Bruder eingeräumt, dass es ein Wort gibt, das ihm Unbehagen bereitet, wenn es von einem Amerikaner ausgesprochen wird: „congratulation“. Da viele Amerikaner dazu neigen, aus manchen „t“-Lauten ein „d“ zu machen, hört man oft „congradulation“.

as leuchtete mir sofort ein, da mir unlängst dasselbe Phänomen während meines Aufenthalts in den USA aufgefallen war. Ich war besonders von der Aussprache beeindruckt, die ich bei „tomatoes“ hörte, nämlich „tomAYdoes“.

ie Unterhaltung mäanderte weiter Richtung simulierter Akzente, die einem auch Unbehagen bereiten können, wenn sie nicht authentisch klingen. Auch hierfür hatte mein Bruder ein Beispiel parat: In einem Spielfilm, den er sich kürzlich angeschaut hatte, wird die Rolle einer Amerikanerin von einer englischen Schauspielerin gespielt – warum auch immer. Ich habe den Film nicht gesehen, mein Bruder aber meinte, ihr versuchter amerikanischer Akzent hätte nicht überzeugt. Das war der Augenblick, wo eine lexzentrische Frage auftauchte.

ir war schon lange aufgefallen, dass für mich einige Menschen aus New England irgendwie britisch-englisch klingen, wenigstens ansatzweise. Ich wäre aber nicht auf die Idee gekommen, diesen Akzent als unglaubwürdig abzustempeln. Bei nicht gelungener Imitation hingegen sieht es oft anders aus. Wenn ein Brite bei der Nachahmung eines amerikanischen Akzents scheitert, hat das oft damit zu tun, dass hier und dort eine britische Intonation hängenbleibt, und das klingt irgendwie „doof“. Warum aber klingt ein echter amerikanischer Akzent nicht unglaubwürdig, obwohl er wie ein New-England-Akzent auch irgendwie ein wenig britisch klingt? Wie unterscheidet das Gehirn, ob ein Akzent echt oder künstlich klingt? Die Rede ist hier natürlich nicht von fremdsprachlichen Akzenten, also wenn jemand eine Fremdsprache spricht (wie bei mir, wenn ich versuche, Französisch zu sprechen). Es geht nur um den Unterschied bei Akzenten, die naturgemäß relativ nah beieinander liegen und bei Fällen, wo jemand mit Mühe versucht, einen Akzent nachzumachen, ohne dabei großen Erfolg zu haben.

ach dem Gespräch mit meinem Bruder habe ich diese Frage versuchsweise meiner Frau vorgelegt und war überrascht, wie sie schnell mit einer Reihe von interessanten Ideen kam, die mit Kongruenz, Echtheit und Fakeness, Sprachgefühl usw. zu tun hatten. Huch! dachte ich, was habe ich denn hier ausgelöst?
Na klar, einen neuen Blogbeitrag.

ie erinnerte sich an ihre eigenen Erfahrungen, wo sie in England für eine Britin, in Frankreich für eine Französin und nach 11 Monaten Down Under für eine Australierin gehalten worden war. Ihre eigene Wahrnehmung ist, dass in ihr etwas wohnt, was mehr als nur Verstand ist. Was auch immer das ist, es ist in der Lage, sich in eine Sprache „hineinzufühlen“. In ihren Worten: „Irgendwie ahme ich den Akzent nach, ohne dass ich das aktiv steuere. Ich versuche meist nicht bewusst, eine bestimmte Aussprache zu beherrschen.“ Kommt dir auch das Bild eines Chamäleons in den Sinn, wenn du das liest?

mmm … Das klingt irgendwie stimmig, finde ich. Haben wir vielleicht so etwas wie einen eingebauten Lügendetektor in uns, der uns ungefähr sagt, ob jemand in einer Sprache wirklich zu Hause ist oder bewusst versucht, sie nachzuahmen? Es ist schon erwiesen, dass wir unsere Muttersprache in einem anderen Gehirnareal ablegen als Fremdsprachen, die wir später lernen. Deswegen bin ich mir sicher, dass es einen grundlegenden Unterschied zwischen der Beherrschung unseres „Mutterakzents“ gibt und allen anderen Akzenten, die später hinzukommen. Allerdings ist auch klar, dass es Menschen gibt, die besonders begabt sind, wenn es darum geht, andere Akzente sauber zu erlernen – sei es durch harte Arbeit (beispielsweise Schauspieler) oder aufgrund einer besonderen Gabe, oder durch beides.

eine eigene Erfahrung mit Deutsch war ähnlich, wenn auch nicht identisch. Wenn ich ein paar glanzlose Monate in einer Deutsch-Arbeitsgemeinschaft in der Schule außer Acht lasse, fing mein Deutschabenteuer an, als ich schon 27 war. Das war in Bremen, daher klinge ich bis heute irgendwie norddeutsch – oder doch irgendwie englisch? Kommt darauf an, wen du fragst. Inzwischen habe ich in Bayern länger gelebt als in Norddeutschland, aber das Norddeutsche bleibt hängen. Das passt gut zur Theorie meiner Frau, da ich auch den Eindruck hatte, mich mehr ins Deutsche hineinzufühlen als es über den Verstand zu erobern (siehe dazu Beitrag 5).

ber mehrere Jahrzehnte bin ich vielen deutschen, österreichischen und schweizerischen Akzenten begegnet, hatte aber nie den Impuls, einen davon aktiv zu lernen und zu nutzen (Bayerisch eingeschlossen). Vermutlich sagt mir eine warnende Stimme: „Lass die Finger davon, du machst dich nur lächerlich!“ Es scheint so, als wenn ich mein Bremer-Deutsch ein klein wenig so lernte, wie ein Kind seine Muttersprache lernt. Alle anderen deutschen Dialekte und Akzente hingegen habe ich eher wie Fremdsprachen kennengelernt – oder auch wie Regionaldialekte in der eigenen Sprache. Inzwischen erkenne ich einige deutsche Dialekte relativ gut, jedoch würde ich genauso wenig versuchen, sie zu sprechen wie ich beispielsweise einen schottischen Dialekt annehmen würde (ausgenommen, ich habe zu viel getrunken oder versuche, einen Witz zu erzählen).

nd wie sieht es bei euch aus? Welche Erfahrungen auf diesem Gebiet habt ihr gemacht?
—ooo—
Überrascht, dass die deutsche Spalte kürzer ist als die englische? Dort habe ich einen Extraabsatz reingesetzt (den vierten Absatz mit dem ersten “A” am Anfang), der für die meisten deutschsprachigen LeserInnen vielleicht nicht so interessant ist. Aber wenn du Lust hast, bitteschön!
What’s the difference between an accent and a bad accent?

ne point that has helped my procrastination in publishing this article concerns the visuals. Even my AI sidekick has firmly recommended adding graphics for visual relief, but that’s not very easy when the content of the article is about spoken accents. So I’ve come up with a follow-up on the last article about letters. Whereas Article 10 documented how humans have come up with creative ways of producing letters, this one is dotted with examples of how nature did it first: natural forms produce patterns that our brains are programmed to interpret as letters – when we see them in a certain context. Some of them may appear a little far-fetched, but I hope you can see in each case what the first letter of the paragraph is supposed to be.

he other day I was musing about accents with my brother. While acknowledging that an American accent is just an accent – in other words, it’s not intrinsically ‘good’ or ‘bad’, it’s simply what has evolved under given circumstances in a certain region in the course of time – he revealed that one particular word grates on his nerves, namely ‘congratulation’ when spoken by an American who tends to make a ‘d’ out of a ‘t’, as many do: ‘congradulation’.

immediately tuned into this, having been struck by the same pronunciation phenomenon during a visit to the USA. I found ‘tomAYdoes’ for ‘tomatoes’ especially impressive, as I mentioned a while ago in a Lexcentric Blog announcement email, and had some recollection of finding other words containing ‘t’ mildly challenging, like ‘wa-der’ for water, ‘meeding’ for meeting etc. And that in turn made me cringe at how my accent must grate on many an American ear. (Or even British ear, come to that.)

s an aside, I was fascinated the other day to hear a BBC reporter managing not to pronounce most ‘t’s in his report. He clearly comes from somewhere in or around London, as I do, and it’s well known that we tend to swallow some of our ‘t’s, not to mention ‘h’s – but I had never encountered anyone up to then who so consequentially avoids them, except for ones at the beginning of words or where two come in quick succession – so the word ‘imitating’ sounds as if there is a black hole between the ‘a’ and the third ‘i’ – ‘imita[black hole]ing’. Perhaps it will catch on globally, and then neither Brits nor Americans need to worry about how the other side pronounces its ‘t’s – they just don’t get pronounced at all.

nyway, the conversation between my brother and myself drifted on to our common antipathy towards simulated accents that don’t work, with my brother mentioning an English actress who played an American character in a recent film, and also wondering that there must have been scores of genuine Americans who could have done a better job.
That was when the tangent struck.

aving heard a number American accents first hand lately and knowing that there are dozens more out there, and also recalling that I find some New England accents seem to have a distinctly British note to them, I started wondering how we manage to distinguish between genuine accents and poorly executed imitations. I mean, what seems somehow wrong when someone from Britain poorly imitates an American accent often has to do with bits of British intonation that are still audible. But if genuine American accents can also appear to sound a little British, where’s the difference? How do we sense that the one is truly the way some people normally speak, while the other is artificial? It’s obvious that many or most people have an unmistakable foreign accent when speaking someone else’s language (just listen to me trying to speak French), and that’s not what I’m on about here. I’m getting nerdy about cases in which someone’s accent either is, naturally, close to another one compared with cases where someone is deliberately and effortfully trying to get close, but not really succeeding.

punted this question to my wife, who instantly and somewhat unsettlingly came up with a string of intriguing ideas involving congruency, fakeness, authenticity, ‘feeling’ a language, etc. Help, I thought, what can of worms have I opened up there? And here we are.

peaking from her own experience of being mistaken for a Brit in Britain and a Frenchwoman in France, and coming back from Australia with a distinct Australian accent, she recognized in herself something beyond sheer intellect that somehow ‘feels’ its way into another language. She said: “My body just sort of imitates the accent without me wanting to do it. It’s not a conscious effort to sound like somebody.” Do you also find the image of a chameleon flashing up in your mind when you read that?

mmm … Somehow that rings true. Perhaps we have some sort of built-in lie detector that can, more or less, tell apart when somebody is truly immersed in a language or just making a conscious effort to imitate it. I know that people learn their mother tongue in a manner that differs from other languages learned later (it’s been demonstrated that they are stored in different parts of the brain). So I’m sure there’s a fundamental difference between the facility people have to speak their mother accent and any other accent that may come later. Having said that, it also seems clear that some people really can pick up other accents very cleanly, either through hard work and practice (e.g. actors – well, some actors) or because of having an innate faculty like my wife’s, or both.

y own experience with German has been similar, though not exactly the same. With very little previous experience of the language, I started learning German in earnest at the ripe old age of 27, in Bremen, not far from the North Sea. So I took on a general-purpose North German accent that has stuck with me to this day, although I’ve now been living in Bavaria, 700-800 km further south, for longer than I ever lived in the north. This could fit into my wife’s theory in that I also had the impression of feeling my way into German when I first learned it (see Article 5).

n the course of all the years since, I’ve also encountered, and can now fairly well identify, many regional German dialects, but I’ve never felt any inclination to adopt any of them, including Bavarian. In the latter case I think it’s my conscious mind saying: “Don’t make yourself sound ridiculous, it just wouldn’t work.” It feels as though during my first contact with German I learned it very approximately as a child learns its mother tongue, but I’ve approached all other German variants more as one usually approaches foreign languages, or indeed other regional accents in one’s own language. Several of those variants are by now quite familiar, but I would no more try adopting them than I would try adopting a Devon or Scottish accent (except possibly when drunk or attempting to tell jokes).

ow it’s over to you. Where have you found letters in nature?
—ooo—



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